Eine zielgerichtete Erziehung erschafft viel Freude. So wir sie die Familie auf dem Bild ausdrückt.

Erziehung – eine zeitgemäße Definition.

„Wer Kinder erzieht, tut ihnen Gewalt an“, sagt Kindheitsforscher Michael Hüter. Anderen kann es nicht streng genug sein. Die Vielfalt der Ratgeber und Standpunkte der „Fachwelt“ ist verwirrend für uns Eltern. Ganz interessant dazu ist die althochdeutsche Wortherkunft von Erziehung: „irziohan = herausziehen“, doch dazu später mehr. Anmerken möchte ich nur, dass es nicht etwa „hineinlegen“ heißt. Hier kann ein kurzer Rückblick in das Thema Erziehung sehr erhellend sein, daher erstmal ein kurzer Abriss: (Bei weitem nicht vollständig.)

Der englische Philosoph John Locke (1632-1704) äußerte den Gedanken, dass der Mensch bei seiner Geburt ein leeres Blatt sei, das erst durch seine Erziehung beschrieben werde. Auch sagte er: „Ich glaube behaupten zu können, dass unter zehn Personen immer neun durch Erziehung das sind, was sie sind, gut oder böse, der Gesellschaft schädlich oder nützlich. Die Erziehung macht den großen Unterschied unter den Menschen.“

Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi 12. 01. 1746 in Zürich; † 17. 02 1827 stellte die Pädagogik seiner Zeit in Frage und stellte das Kind in den Mittelpunkt. Sein Antrieb, oder wie man heute neudeutsch sagt: „Sein Purpose“, war es das Loch des Elends zu Stopfen. Und von diesem war er umgeben und selbst gefangen. Dennoch gab er nie den Verwirrungen um ihn herum nach und hielt sein Leuchtfeuer hoch. Für ihn galt; alle erzieherischen Einflüsse müssen sich unter allen Umständen der menschlichen Natur unterordnen. „Naturgemässheit“ war ihm das Wichtigst in der Erziehung. Nur sie ist „bildend“, und jeder nicht naturgemäße Einfluss auf den Menschen ist „verbildend“. Viele Schulen und andere Einrichtungen würdigen heute seinen Namen indem sie diesen ihrer Einrichtung geben.

1888 bis 1918 kam die Wilhelminische Zeit. Diese war geprägt von Recht und Ordnung. Körperliche Züchtigung, sprich Schläge als Erziehungsmittel, waren gebräuchlich.

Immer wieder blickten Bemühungen von Menschen durch, denen es um das Kind und nicht um staatliche Interessen ging. Dazu gehörte die Reformpädagogik welche auch Maria Montessori, 31. 08. 1870 in Italien; † 6. 05. 1952, mit gestaltete. Sie sah das Kind als „Baumeister seiner selbst“. Es galt das Kind als Individuum zu achten und seine kreativen Kräfte zu wecken und zu fördern. Ihr Grundsatz aus der Sicht des Kindes war: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Dieser Erziehungsstil war geprägt durch die Selbsttätigkeit der Kinder, das freie Gespräch und Lernen durch Handeln. Wie zuvor bei Pestalozzi 12. 01. 1746 in Zürich; † 17. 02. 1827 war eigene Anschauung ein wichtiger Bestandteil der Unterrichtung. Beide Bemühungen wurden nie Mainstream.

In der Zeit des Dritte Reiches, war wieder Gehorsam gefordert. Erziehung ähnelte jener in Wilhelminischer Zeit. Bedingungsloser blinder Gehorsam war wieder oberstes Ziel. Nicht die Eltern legten Erziehungsziele fest sondern der Staat. Und dieser brauchte menschliche Roboter. Vor allem für das Militär. Recht und Ordnung. Einfalt statt Vielfalt.

Erziehung im Zwielicht.

Nach dem Krieg gab es zweierlei Hauptströmungen in Deutschland. Die westlichen Zonen bemäntelten die Erziehung demokratisch. Doch die Ziele waren immer noch durch Interessengruppen (Geld Macht) festgelegt. Die Fähigkeit, selbst zu schauen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen und danach zu handeln war nicht erwünscht. Genau so wenig wie in der Ex-DDR in welcher Erziehung vor allem dem dortigen System zu dienen hatte. Ganz generell kann man sagen, dass das jeweilige System, ein großes Interesse an Kindern hat, welche sie sich dienlich zu machen gedenkt.

Dieser Umstand beschwörte die Antiautoritäre Erziehung als Protestbewegung regelrecht herauf. Sie entstand in den 60er und 70er Jahren. Nach Jahren von Drill und Disziplin sorgte die Studentenbewegung für einen Befreiungsschlag. Scheitern musste auch dieser, da auch er nicht auf sachlicher Beobachtung sondern vor allem Protest beruhte. „Das Kind mit dem Bade ausschütten“, beschreibt diese Zeit am besten. Irgendwie erinnert dies an das Mittelalter, wo Bäder verpönt waren, auch aus dem Grund, weil sie von den Römern stammten.

Heute ähnelt das Bild dem medizinischen Scenario, wo sich widersprechende Schulen einer sinnlosen Schlacht liefern. Wissenschaftliche Herangehensweise wird von allen Beteiligten verhöhnt. Denn Wissenschaft würde die Richtigkeit des anderen anerkennen, wenn sie beobachtbar ist. Diese Schlacht wird mit psychologische Waffen geführt. Es ist eine Schlacht in welcher finanzielle Interessengruppen die Oberhand haben. Eine Schlacht, in welcher der „Gott Geld“ Schutzherr ist. In welcher Vernunft Kanonenfutter ist. Und eine Schlacht um Konsumverhalten, Märkte und Bruttosozialprodukt.

Dieser Schlacht ähnlich ist die Auseinandersetzung um Erziehung. Es kommt auf die Interessen der Gesellschaft, oder genauer der Wirtschaft und der Führungsriegen an. Sie ist psychiatrisch unterwandert. In ihr ist das Bruttosozialprodukt wichtiger als die Kinder. So wie mit der Industrialisierung  zuerst Männer an das System angepasst wurden, wurden dies Frauen mit der Emanzipation, welche in erster Linie der Wirtschaft dient. Im Weg standen die leidtragenden Kinder, welche nun im letzten Zuge dem Gott Geld zugeführt werden. Mit der Welt als globalem Dorf, sind Eltern und Kinder vielen Einflüssen ausgesetzt. Mitten in einem Kampf um die korrekte Weltsicht. Das korrekte Verhalten. Die korrekte Leitkultur. Das korrekte Outfit. die korrekte Musik. Die korrekte Religion. Die korrekte nicht-religiöse Sichtweise. Die Liste ist lang. Der Staat „hilft“ mit Ganztagsangeboten und sichert sich so ein Maximum an Einfluss. Auch Konzerne mischen in diesem Spiel munter mit.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche sich heute mit sozialen Problemen herumschlagen. Die sich Mobbing, Zukunftsangst, Drogen und Kriminalität gegenüber sehen. Und welche große Anteile der Angst und Wutbürger stellen, haben auch eine Erziehung „genossen“. Sprich: Die „Lösungen“ welche wir praktizierten, schufen weit zu viele Probleme. Den Beweis haben wir vor unseren Augen. Er liegt in der obigen Aufzählung. Die Medien laben sich darin. Und in diesem Scenario wollen wir unsere Kinder nicht sehen. Einverstanden?

Sicher ist; Sicherheit in der Erziehung bringt dieser Tumult unter der sozialen Decke nicht.

Einigkeit herrscht jedoch weitgehend darüber, dass eine gute Erziehung, sowohl Freiheiten, als auch Grenzen und Regeln beinhalten muss. Und dies leitet eine neue auf Vernunft basierte Sichtweise ein. Sie stellt die Eltern und Kinder, und damit die Familie zurück in den Mittelpunkt. Auch respektiert sie das Urteilsvermögen der Eltern. Und sie kennt die Fähigkeiten und Gefühle der Kinder vom ersten Tag an, an. Und sie weiß um die Wichtigkeit starkter Individuen, welche ethische und moralische Erkenntnisse durch eigene Entscheidung zum Kompass ihres Lebens machen. Selbstbestimmung und Verstehen, sind hier die Schlüsselworte. Sie öffnen die Tür zur allseits geforderten Resilienz. Der Widerstandsfähigkeit, welche wir und unsere Kinder so dringend benötigen, um nicht „allem“ zum Opfer zu fallen.

Was ist nun eine zeitgemäße Definition von Erziehung?

Zeitgemäße Erziehung ist zielorientiert. Sie anerkennt, dass sowohl Eltern, als auch Kinder Ziele haben, welche sie zu erreichen streben. Sie kann sich zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, als wahrhaft demokratisch bezeichnen. Ihr liegt es am Herzen das Individuum nicht zu unterdrücken, sondern ganz nach dem althochdeutschen Wort „irziohan = (herausziehen)“, das Beste aus dem Kind zu holen. Besser gesagt – das Beste zuzulassen und zu unterstützen. Sie anerkennt Vielfalt. Die Vielfalt der Individuen, die Vielfalt der Kulturen. Und damit ein friedvolles Zusammenleben.

Sie zeigt Regeln und Grenzen auf eine Weise auf, deren Sinn das Kind verstehen und damit übereinstimmen kann. Erziehung heute, hat verstanden, dass der Mensch nur in Bruderschaft mit sich selbst und seiner Natur, sowie der Natur an sich, ein gutes Leben leben kann. Erziehung heute, trägt dem Umstand Rechnung, dass die Vergangenheit gute Lösungen hervorgebracht hat. Sie setzt das Beste in der Gegenwart um. Auch strebt sie nach weiteren in der Zukunft.

Und so wird sie zum Grundstein für eine Zivilisation, welche ihr ganzes Potential entfalten kann. Sie wird zum Grundstein für herausragende kulturelle Leistungen. Und zum Grundstein einer friedlichen Kultur, in welcher sich zu leben lohnt. Und nicht zuletzt zu einer Zivilisation, welche sich nicht selbst umbringt.

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