Angst ist ein schlechter Erziehungsratgeber. Frau hält Augen zu.

Angst ist ein schlechter Erziehungsratgeber.

Wer kennt diese Begriffe nicht? Wutgesellschaft! Angstgesellschaft! Mittendrin wir Eltern mit unseren Sorgen. Mag sein, dass der Mensch, zu großem Mut fähig ist. Dennoch zeigt er diesen im Alltag oft nicht besonders. Der ganzen Gesellschaft deshalb Angst, oder auch Wut zu unterstellen ist eine der typischen Verallgemeinerungen, welcher sich, die zu Fatalismus neigenden Medien bedienen. Sogar manch Erziehungsratgeber, dreht sich hauptsächlich darum, wie man diese Erscheinungen vermindern kann.

Eine der schönen Aufgaben für Eltern ist, Kindern eine sichere Umgebung zu schaffen, in welcher sie sich entwickeln können. Ständige Gefahr herbei zu beschwören ist hier nur hilfreich wenn Angst statt Vernunft herrschen soll! Und in Sachen Erziehung sind negative Emotionen, wie Angst oder Wut, von Seiten der Eltern nur Gift. Sie machen konstruktive Erziehung unmöglich. Denn Erziehung kann nur liebend, helfend, führend und aufbauend sein. Ist sie etwas anderes, ist sie keine Erziehung. Sie würde in Richtung „Dressur“ und schließlich in Richtung Vernachlässigung abwandern. Wir alle wollen, dass unsere Kinder resilient, sprich mit Rückgrat aufwachsen. Und ein guter Erziehungsratgeber, wird Angst nie als wünschenswertes Signal erwähnen.

Angst durchdringt die Gesellschaft in der Tat weit. Doch sie ist so nützlich wie Arsen. Bei Eltern wird sie vor allem durch endlosen Ermahnungen ihren Kindern gegenüber sichtbar. Wobei ich nicht sagen will, dass diese nicht manchmal angebracht sind. Aber im Stakkato gegeben, nehmen sie dem Kind jede innere Sicherheit. Das Kind braucht jedoch Stabilität. Als Kind, und später erst recht als Erwachsener. In seiner Kindheit bekommt es seine Fundamente dafür. Oder eben nicht.

Man mag mir entgegnen: „Ich bin doch gegenüber meinem Kind verantwortlich!“ „Was wenn etwas passiert?“ Diesen Standpunkt kann ich nur bestätigen. Die größte Verantwortung zeigst du jedoch, wenn du deinem Kind eine kindgerechte Umgebung bereitstellst und ihm innere Sicherheit vermittelst. Erziehungsratgeber aus der Kaiserzeit und dem dritten Reich haben das noch anders gesehen.

Was ist jetzt also falsch mit der Angst und den Ermahnungen?

Zunächst einmal nichts. Zumindest wenn unmittelbare Gefahr droht. Besser man läuft dem Tiger davon, der dem Zirkus entlaufen ist. Besser man fürchtet Drogen, und psychoaktive Medikamente, welche einem ja doch nur den Verstand vernebeln. Von anderen negativen Einflüssen abgesehen. Doch genau hier wird auch der Unterschied zwischen Angst und Angst deutlich.

Reale Gefahr ist reale Gefahr. Ein diffuses Angstgefühl schadet der Gesundheit, verursacht unnötigen Stress, und verbaut einem jeden Erfolg im Leben. Ein Gefühl von Glücklichsein, ist fast gar nicht mehr möglich. Zumindest erschwert es diese Dinge. Unseren Kindern wünschen wir jedoch eine glückliche erfolgreiche Zukunft. Was ist hier eine brauchbare Antwort?

Angst ist kein guter Erziehungsratgeber, und Menschen welche sie verbreiten noch weniger!

Alles was geeignet ist, das Kind zu stärken oder in nicht zu sehr einengender Weise zu schützen dagegen schon. Kinder sind, wenn man mit ihnen auf Augenhöhe redet, sehr verständig. Naturgemäß, wollen die wenigsten sich selbst zerstören. Ihre Fähigkeit, einzuschätzen, was sie kontrollieren können manchmal erstaunlich. Doch gerade diese knickt schnell ein, wenn sie im Versuch sich zu beweisen, zu sehr kämpfen müssen und dadurch leichtsinnig werden. Diese Fähigkeit, sich selbst einzuschätzen ist fast erloschen, wenn Kinder (oder Erwachsene) bereits über die Maße verängstigt sind.

Die Neugierde der Kinder, und der starke Drang, das Leben zu erobern, zeigt sich bereits auch bei meiner dreizehn Monate alte Tochter, wenn sie auf Kinderstühle und Tisch klettert. Natürlich ist dies gefährlich für sie. Und natürlich muss sie irgendwann lernen, dass Füße oder Schuhe aus Hygienegründen nicht auf den Tisch gehören. Dennoch werde ich ihr Recht auf Klettertouren stets verteidigen. Sie erobert das Leben! So klein wie sie ist, versuche ich natürlich, immer ein Auge auf sie zu haben.

Doch meine Befürchtung, sie könnte sich verletzen, halte ich vor ihr zurück. Schließlich muss sie durch Versuch und Irrtum ihren eignen Weg finden. Meine Aufgabe ist es da zu sein um sie auffangen zu können. Ansonsten eine kindgerechte Umgebung aufrecht zu erhalten.

In alten Erziehungsratgebern findet man den Spruch: Messer Gabel Schere Licht, sind für kleine Kinder nicht”. Er bringt es ganz gut auf den Punkt. Hersteller haben heute die Scheren für Kinder abgerundet, was gut ist. Dennoch ist ein bestimmtes Alter und Aufsicht dafür erforderlich. Gebe ich dem Kind ab und an eine Schere und Papier, kann ich leicht beobachten, ob es eine Schere führen lernen kann. Ansonsten ist es eben zu früh. Und so ist es mit allem, was das Kind gefährden könnte.

Gehe ich mit meinen Kindern an ein Wasser, ermahne ich nicht ständig mit den Worten: „Geh weg vom Wasser, sonst fällst zu hinein.“ Ich habe Wechselkleidung mit. Lasse ich das Kind mit den Händen ins Wasser fassen, und es ist kalt, spürt es das. Ich gehe gebeugt hinter dem Kleinkind her, um es, bevor es ins Wasser fällt, schnell fassen zu können. Interessanterweise war dies nie der Fall. Meine Bedenken behalte ich für mich. Wenn es älter ist, sage ich vielleicht: „Kontrolliere deinen Körper“! Und wenn´s misslingt. So what? Ich selbst bin nicht nur einmal ins Wasser gefallen. Ist es aber ein reißender Bach, demonstriere ich dem Kind mit einem Stock, wie es das Wasser mitreißen würde, und gehe am besten gar nicht hin.

Was ich versuche zu sagen; egal, um was es geht, eine Umgebung muss kindgerecht sein, dann ist Angst weitgehend unnötig. Ich muss dann meine Angst nicht ständig am Kind auslassen und was dabei das Wichtige ist; ich erziehe es nicht zum Angstbürger.
Das Kind braucht Selbstvertrauen und die Fähigkeit Gefahren selbst einzuschätzen. Es braucht eine schrittweise Heranführung an Dinge. Überwältige ich das Kind durch zu viel Kontrolle, oder gebe ich ihm keine kindgerechte Umgebung, so, dass es Schaden erleidet, erschaffe ich für das Kind Schwierigkeiten, welche es vielleicht nie überwinden wird. Das angstvolle Verhalten ist, dann zu tief verwurzelt. Dies kann viele seltsame Blüten, allesamt Neurosen genannt, treiben. Und man kann sich nur noch mit großem Aufwand davon lösen. (Mit Aufwand – nicht mit Medikamenten.)

Ist der Angst-Same bereits gelegt, ist es immer noch besser stufenweise umzukehren und dem Kind Erlebnisse zu ermöglichen, welche sein Selbstvertrauen stärken, als weiterhin das Kind zu schwächen. Jeder noch so kleine Erfolg ist ein Erfolg. Und viele von den Erfolgen zu bekommen, wird es schließlich über seine Angst/Ängste triumphieren lassen.

Du selbst bist dein bester Erziehungsratgeber!

Folge einfach dem Interesse des Kindes und sei besonnen! Schaffe eine Umgebung, welche für das Kind ungefährlich ist. Die meisten seiner Neigungen sind gar nicht so gefährlich. Es ist sicherlich nicht einfach, über seine Schatten zu springen, doch für unsere Kinder sollten wir es tun. Vielleicht schreiben die Medien irgendwann die Schlagworte „Mutgesellschaft“ und „Respektgesellschaft“. Wie auch immer – für deine Kinder sind Mut und respektvolles Verhalten Türöffner in ihre Zukunft. Angstgesellschaft und Wutgesellschaft sind nicht lebenswert. Mut zur eigenen Integrität und Respekt voreinander schon.

Link siehe auch meinen Artikel Angst.