Falsch verstandene Werte und Tugenden können ein Lebensschiff kentern lassen, so wie dieses hier.

Gefährliche Werte und Tugenden?

Viele Loblieder wurden auf Werte und Tugenden gesungen. Doch sie können als Falle verwendet werden. Es ist bekannt, dass viele Tierarten und Pflanzen ausgestorben sind, da sie sich teils schneller Veränderung nicht anpassen konnten. Und obwohl eine der besten Strategien des Menschen ist, seine Umgebung sich anzupassen, muss er dennoch seinem Umfeld Rechnung tragen. Was ist nun das „Gefährliche“ an Werten und Tugenden?

Bevor ich diese Aussage begründe, will ich erstmal auf den Nutzen der Werte und Tugenden eingehen. Denn zweifelsohne sind gerade die Werte und Tugenden die Garanten für ein friedliches konstruktives Miteinander. Sie sind auch der konstruktive Nährboden, auf dem die Menschenrechte formuliert worden sind. Sie sind auf menschliche Vernunft gegründet und passen in jede Weltanschauung oder Religion. (Von ein paar unterdrückerischen Strömungen abgesehen.) Dies bedeutet, dass überall auf der Welt mit ihnen übereingestimmt werden kann. Sie können ein großer Schritt in Richtung Frieden und lebenswerter Kultur sein.

So lange der Mensch existiert, konnte er die Folgen seiner Handlungen beobachten. Und jene Handlungen welche zu günstigen Resultaten führten, wurden zu den Werten und Tugenden. Jeglicher Erfolg ist in ihnen begründet. Ausgenommen jener scheinbare Erfolg, der auf Unterdrückung beruht. Solche Bemühungen, haben jedoch mittel oder langfristig immer Untergang zur Folge. Die einst stolzen Griechen oder Römer, das deutsche Weltreich und viele andere, sind heute Geschichte. Und die heutigen Mächte werden, solange sie der Unterdrückung frönen, den gleichen Verlauf nehmen.

Welchen Samen also in unsere Kinder legen? Nun – ich habe mich für die Werte, die Tugenden und die Menschenrechte entschieden. Doch eines dürfen die Werte und Tugenden nie werden oder sein.

Werte und Tugenden dürfen nie der Selbstbestimmung entrissen werden!

Und dies beinhaltet auch deren freie und situationsbezogene Verwendung. Niemand will als Beispiel angelogen werden. Also wäre Ehrlichkeit als Wert die logische Konsequenz. Und solange man sich im Vertrauensumfeld bewegt ist dies auch natürlich und richtig. Aber wie wäre es, wenn Wahrheit zu Verrat von Freunden führen würde? Wie wäre es wenn „Wahrheit“ verletzen würde? Hier wird deutlich, dass sie als Instrument zur Unterdrückung dienen kann. Deshalb hat der Gesetzgeber auch die Privatsphäre im Gesetz verankert. Deshalb gibt es auch Notwehr, welche auch verbal sein kann.

Sucht zum Beispiel die Presse nach „Wahrheit“ nur um Personen welche als Prominente oder Politiker im Rampenlicht stehen ins Abseits zu stellen. Und veröffentlicht sie diese sogenannte „Wahrheit“, zerstört dies nicht selten das Ansehen einer sonst konstruktiven Person.

Ehrlich – ein mahnender Freund oder ein zurechtweisendes Familienmitglied, oder als letzter Zufluchtsort ein Gericht, hätte die Sache vielleicht bereinigt. Doch nun hat der Prominente oder Politiker das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen und wird in eine Lügen-spirale getrieben. Auf diese Weise sind schon viele wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sozial gestorben. Und dies zeigt auch die Absicht dessen, dem die „Wahrheit“ angeblich so wichtig war. Er wollte den Prominenten oder Politiker in die Position eines „Vogelfreien“ bringen, damit er zerfleischt werden kann. Schwarze Propaganda vom Feinsten. Und so kann eine relativ kleine negative Wahrheit, zur großen Lüge über eine sonst konstruktive Person werden. „Wer ohne Sünde ist …“

Und somit wird Wahrheit pervertiert. Werte und Tugenden bekommen einen negativen Beigeschmack.

Dein Kind muss diese Zusammenhänge, sobald es verständig wird verstehen lernen. Zwinge es nie, immer und überall die Wahrheit zu sagen. (Eine im in den sozialen Medien bekanntgegebene Adresse, als Beispiel ist sicherlich Wahrheit. Doch das Erfragen einer Adresse im Internet ist auffällig.) Ermuntere es aber immer, im vertraulichen Umfeld sich an die Wahrheit zu halten. Mit Lügen versklavt man sich auf Dauer selbst. Gibt es aber, als weiteres Beispiel, einen mobbenden Klassenkameraden, muss dein Kind ihm nicht noch die Munition liefern.

Ganz ähnlich verhält es sich mit anderen Werten und Tugenden.

Respekt gehört vor allem der respektvollen Person. Einem pöbelnden Freund, muss nicht derselbe Respekt entgegengebracht werden, wie einem Lehrer der immer bemüht ist, im Sinne des Kindes zu helfen. Die größte Freundlichkeit, welche man einem Kriminellen entgegenbringen kann, ist ihn hinter Gittern unschädlich zu machen. (Das war nicht sarkastisch gemeint.) So hält man ihn wenigstens davon ab, noch mehr Schaden zu verursachen.

Oder um die Tugend Fleißigkeit zu nehmen. Fleiß für die falsche Sache; Drogen verticken als Beispiel, wäre sicherlich keine Tugend. Und damit wird auch klar, dass all diese Dinge sich gegenseitig bedingen. Freundlichkeit gehört dem respektvollem Menschen und Ehrlichkeit ist gegenüber einer Vertrauensperson angesagt. Die spiegelt sich auch im Beicht- oder Arztgeheimnis wieder. Wobei der Pfarrer oder Arzt nicht automatisch auch tatsächlich als Mensch Vertrauenspersonen sein müssen. Leider. Und genau deswegen dürfen Werte und Tugenden nie starr, und in Recht und Ordnung erstickt werden. Sie müssen durch Verstehen selbstbestimmt von jedem Einzelnen in ihr Leben genommen werden oder auch nicht. Dein Kind muss über die Jahre lernen diese Dinge dynamisch anzuwenden. Sonst können sie pervertiert und in ihr Gegenteil verwandelt werden.

Werte und Tugenden können in eine „Waffe“ verwandelt werden.

Werte und Tugenden können in eine „Waffe“ verwandelt werden. Genauso wie ein gewöhnliches Messer oder Geld. Der „tödliche“ Satz ist: „Du musst!“ Das Kind oder der Mensch will im allgemeinen „Gut“ sein. Doch aufgezwungen, erschaffen Werte und Tugenden Ja-Sager, Kriecher und sozial unfähige Menschen. Denn auch „Nein sagen“ können, gehört zum konstruktiven Miteinander. Nein sagen können zu dem was man als nicht richtig oder nicht für gut hält. Auch auf die Gefahr hin als unfreundlich wahrgenommen zu werden.

Die Fähigkeit, richtig von falsch zu unterscheiden und die Fähigkeit den Charakter der Menschen zu „lesen“ sind die Grundlage davon. Dann sind Werte und Tugenden, eine der höchsten Kulturleistungen der Menschheit.

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