Kind in Trotzphase, Autonomiephase, Trotzkopf

In der Trotzphase können unsere Kinder nervtötend sein.

Die Trotzphase und andere Katastrophen.

War das mal mein Wunschkind, fragte sich eine Mutter häufig. Sie klagte ihr Leid am Telefon. Er war ein so sonniges Kind. Und jetzt – ihre Stimme brach. Sie hielt ihre Tränen zurück. Die Trotzphase überfordert viele Eltern. Praktisch alle Eltern machen Erfahrungen damit. Manche trifft es härter, andere haben pflegeleichtere Kinder.

Obwohl Babys häufig als unbeschriebenes Blatt beschrieben werden, bringen sie doch eine Persönlichkeit mit. Für Eltern mehrerer Kinder ist dies nichts Neues. Dennoch vorneweg erst einmal eine unbequeme Wahrheit. Nicht das Ei trägt die Verantwortung, sondern stets die Henne oder der Hahn. Da Kinder in ihren ersten Jahren vor allem durch Nachahmung lernen, kommt der Vorbildfunktion der Eltern eine bedeutende Rolle zu.

Häufig bemerken wir unsere kleinen oder großen Macken gar nicht. Wir benutzen Wörter, welche wir, wenn unsere Kinder diese benutzen, ihnen wieder schnell abgewöhnen wollen. Wir fordern, setzen voraus, rügen, strafen, ignorieren und benehmen uns oft so, wie wir selbst nicht behandelt werden wollen. Unser Gespräch, das Handy oder der Film, welchen wir uns anschauen, sind wichtiger für uns.

Auf der anderen Seite ist der kleine Erdenbürger. Er versteht die Welt weit weniger als wir. Doch noch bevor er zwei Jahre wird, entdeckt er seinen Willen. Über seine Rechte oder Regeln macht er sich keine Gedanken. Was andere denken oder fühlen ist ihm offensichtlich egal. So etwas kennt er nicht. Was unsere Kleinen jedoch zunehmend ganz genau wissen, ist was sie wollen. „Ich will aber“, wird zum Mantra. Sie sind klein, und nutzen die Waffe, welche schon als Baby funktioniert hat. Lautstärke! Wenn man nicht sofort das bekommt, Was man will, kann man immer noch nervtötend schreien. Funktioniert dies nicht, kann man immer noch herzerweichend weinen. Beides können Eltern für gewöhnlich nicht lange ertragen.

Noch schlimmer wird dies, wenn man in der Öffentlichkeit ist. Hilflos schwanken die Meisten zwischen dem Impuls Härte walten zu lassen, und der mahnenden Stimme zur Güte. Beides will nicht funktionieren, und strafende oder unverständliche Blicke streifen einen. Willkommen im Trotzalter deines Kindes. Hoffentlich, wünscht man sich, geht die Trotzphase schnell vorüber.

Erst nach und nach bezieht das Kind sich selbst und dann mehr und mehr seiner Umgebung in sein Leben ein. Sein Verstehen wächst. Doch bis zum Erwachsenen, der voll verantwortlich für sein Tun oder lassen ist – oder sein sollte – ist es ein langer Weg.

Wie durchschifft man die Klippen der Trotzphase?

Eines der Zauberworte ist Geduld. Ein Kind geht durch seine Entwicklungsphasen, ob wir dies wollen oder nicht. Manchmal hilft schlicht sich zu fragen, ob unser Kind dieses oder jenes Verhalten oder Unvermögen mit 21 Jahren noch haben wird. Diese innerliche Frage kann Vieles entspannen. Ich jedenfalls habe noch keinen Erwachsenen gesehen, welcher seinen vollen Teller wütend auf den Boden geworfen hat. Seine Trotzphase hat er seit langen überwunden. Vielleicht erinnert er sich noch, welch ein Trotzkopf er mal war, und kann nun mit seiner Mutter oder seinem Vater herzhaft darüber lachen.

Doch was tun wenn du als Mama, oder Papa, mitten im Drama steckst? Auf Dauer wird dir nur helfen, ausgeglichen zu bleiben. Beobachte, wann und wie dein Kind in seinen Trotzanfall oder Wutanfall bekommt. Manches kannst du umschiffen. Vielleicht solltest du auf dein Kind eingehen, bevor die Situation entsteht. Wobei „eingehen“ nicht nachgeben, sondern, vielmehr Verstehen bedeutet. Fühlt dein Kind sich gesehen, respektiert und als vollwertiges Familienglied. Werden viele Situationen nicht entstehen.

In anderen Situationen kann ablenken helfen. Und zwar frühzeitig. Oder wenn Einkaufen immer zum Drama wird, nimmt dein Lebenspartner, Oma oder Opa das Kind so lange. Hier hilft Beobachtung und Phantasie.

Was nie helfen wird, ist sich auf die Kleinkriege einzulassen und gegenseitig hochzuschaukeln. Ist dies jedoch bereits passiert, gelten die gleichen Regeln um wieder in einen erlebbaren Bereich zu kommen. Nur Geduld wirst zu gefühlt, zehnmal so viel brauchen.

Was auch immer – handle nie im Affekt. Nie! Verbiete dir selbst spontane Handlung unter Stress. Diese ist wirklich nur angebracht, wenn dein Kind in unmittelbarer Gefahr steht, verletzt zu werden. Wenn es dir hilft, mache es dir zur Angewohnheit innerlich auf fünf zu zählen. Oder schaue dich bewusst in deiner Umgebung um, atme tief durch und handle dann so souverän du eben kannst.

Und noch eines; sind die Herausforderungen groß, wirst du innerlich mehr wachsen (müssen) als jene, welche ein seichtes Leben führen. Klopf dir öfters dafür auf die Schulter und gönne dir eine gesunde Belohnung. Etwas das dich wirklich erfreut.